Kontrolle - 1/4 oder: "Who is driving the bus?"

Ich wurde nach meinem Vorgehen beim Coaching gefragt. Tools, Konzepte, Glaubenssätze und alles was an weiterer Metaebene dazugehört. Meine Antwort war nicht so umfassend und ausführlich, wie ich das gerne gehabt hätte, deshalb ordne ich hier mal meine Gedanken und zeige beispielhaft, wie arbeite.

 

„Who is driving the Bus?“

 

„Das Leben läuft irgendwie zu schnell für mich. Ich habe das Gefühl nicht mehr mitzukommen, nicht mehr hinterher zu kommen, alle anderen laufen mir davon, sind irgendwie schneller als ich selbst. Ich hätte gerne, dass die Welt einmal für einen kurzen Moment angehalten wird. Die Welt soll anhalten, damit ich zu Atem kommen kann und ich die Chance erhalte, wieder zu den anderen aufzuschließen.“


Das hier beschriebene Gefühl oder Bild, begegnet mir so oder ähnlich immer wieder und ist nicht selten der Beginn der Auftragsstellung.
Die Frage: Wer fährt den Bus? Bringt die ganze Problematik auf den Punkt.

Der Bus als Bild für das eigene Leben und Handeln. Die Annahme zu Beginn ist bei allen gleich, sie selbst sind diejenigen, die das Lenkrad in der Hand haben. Das passt jedoch augenscheinlich nicht zu dem oben verbalisierten Gefühl.

 

Nachdem das Bild mit dem Bus einmal da ist, male ich weitere Leute ins Bild und stelle die Frage, wo im Bus fühlt sich das "besser/richtiger" an.

Das Gefühl hinterher zu laufen oder auf der Rückbank zu sitzen und ein bisschen verwundert zu gucken, beschreibt das Gefühl oben am ehesten, ergo sind das meist die ersten Personen, bei den man sich schmunzelnd wiederfindet.

 

"Wenn das jedoch mein Leben und mein Handeln ist, wer sind dann aber die anderen Typen in meinem Bus?"

 

Wir können einen Spießer (den mit der Brille) improvisieren. Derjenige weiß natürlich immer am besten, wo es langgehen sollte. Meist kommt er aber erst damit um die Ecke, wenn der Bus schon in der Sackgasse steckt. Die Stimme kennt irgendwie jeder, der mir bis jetzt begegnet ist.

Wer ist der Spießer und was macht der in meinem Bus? Wer hat den Punker (Irokese) in meinen Bus gelassen? Wieso sitze ich eigentlich auf der Rückbank und wer fährt hier eigentlich und vor allem wohin?

Alles sehr gute Fragen!

 

Der Bus symbolisiert also mein Leben und meine Handlungen. Die in dem Inneren sind die Entscheidungsträger. Im Gegensatz zum allgemeinen Glaubenssatz gibt es aber mehrere Einflüsse/Stimmen/Persönlichkeiten in unseren Entscheidungsprozessen.

 

Ein geläufiger Begriff ist der des „inneren Teams“ (Friedrich Schulz von Thun, wenn es jemand bis zum dritten Buch geschafft hat). Ich habe demnach eine mittelgroße Anzahl von individuellen Personen in meiner Brust/meinem Kopf, die alle eigene Vorstellungen davon haben, wo es langgehen soll. Wenn die jetzt nicht als Team agieren, entsteht Chaos. Erst inneres Chaos, das sich jedoch sehr schnell nach außen überträgt. Und dann zu dem eingangs beschriebenen Gefühl führt.

Folgt man den Brotkrumen, die ich hier verteilt habe, dann braucht man einen Moment, um das Ganze für sich zu sortieren. Übrig bleibt dann häufig die immer wieder aufgeführte Frage: Wer fährt (eigentlich) den Bus?

Meistens ist es eine Person, die sich von Aussen Zugang verschafft hat und früher gar nicht Teil meines inneren Teams war. Das macht das Chaos dann nämlich komplett und führt dazu, dass man es nur extrem schwer auflösen und sich selbst die Kontrolle über sein Fahrzeug zurückholen kann.

In der Berufswelt kann das häufig ein Avatar des Vorgesetzten, eines Kollegen oder Mentors sein. Im Privatleben können das auch Elternteile, Kinder, Partner, gute Freunde oder Vorbilder jeglicher Art sein.

Avatare von Außen muss man zuallererst beim nächsten Halt (oder der Notbremsung) freundlich, aber schnellstmöglich aus dem Fahrersitz komplementieren und vor die Tür setzen.

Dann muss man sich auf den Fahrersitz setzen, sich umdrehen und sein Team konsultieren. Es müssen einige Fragen erörtert werden: Wo wollen wir hin? Welchen Weg nehmen wir dorthin? Welche Haltestellen gibt es? Nehmen wir Abkürzungen wenn, sich welche bieten, oder bleiben wir strikt auf der Route?

Im Idealfall geht die Fahrt erst weiter wenn alle Fragen geklärt sind. Das ist jedoch selten möglich. Die primäre Frage nach dem Ziel, muss man jedoch für sich selbst beantworten, bevor man wieder losfährt.

Nachmal in der Kurzfassung:

 

1. Bei dem Gefühl des Kontrollverlustes hilft eine Visualisierung (hier ein Bus).

2. Jeder Mensch besitzt ein inneres Team, dass man zusammenhalten muss.

3. Das Gefühl der Kontrolle setzt voraus, dass man es schafft, Einflüsse von Außen auch
      als solche zu erkennen.


Nächster Artikel: Übersicht (Wo kriege ich diese her und wie hilft sie mir dabei, Kontrolle zurück zu erlangen?)

Wo kommen die Ideen für dieses Vorgehen her?
1. Die Frage „Who is driving the Bus?“ habe ich aus einem Teambuilding Buch (Team-Power: Kreativer - Flexibler - Schneller). Der Satz steht da selbst nur als Zitat/Merksatz unter einer Überschrift. Das Buch habe ich mir damals nach dem Studium gekauft, enthielt nichts Spannendes, ist jedoch ein gutes Nachschlagewerk. Das Buch habe ich nie wieder angefasst, der Satz jedoch ist hängen geblieben.

2. Der Begriff des „Inneren Teams“ ist aus dem dritten Buch von Schulz von Thun. Miteinander Reden 1-3. Die meisten Menschen schaffen es leider nicht bis zum dritten Buch, was defintiv ein Fehler ist. Das Konzept des inneren Teams ist so ziemlich das mächtigste Tool, was mir je begegnet ist.

3. Daniel H. Pink über Motivation - Drive: Was Sie wirklich Motiviert. Das Buch ist so grandios wie seine Reden und Vorträge. So ziemlich alle Ideen, die sich bei mir in den letzten Jahren zu Seminaren, Vorträgen und Trainings ergeben haben, basieren auf den Ideen, die dieses Buch in mein Hirn gepflanzt hat. (Den TED Talk habe ich schon einmal erwähnt).

Bilder: Erstellt mit Sketchbook auf dem Tablet

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Kommentare: 2
  • #1

    Kunar (Montag, 24 September 2012 21:22)

    Hochspannendes Bild, das bei mir gleich einige Denkprozesse in Gang setzte!

    Hat denn der Punker eine bestimmte Bedeutung? Oder hast Du den nur zufällig dazugetan? Welche Rolle hat die dritte, nicht näher erläuterte Person im Bus, die vorschlägt, lieber selbst zu lenken?

  • #2

    harthun (Dienstag, 25 September 2012 07:37)

    Das freut mich zu hören, dass es auch als Artikel seinen Zweck erfüllt und Denkprozesse anstößt.

    Für mich hat der Punker folgende Bedeutung: Nicht den bewährten, routinierten Weg nehmen sondern gegen das bisherige System angehen und neues, spannendes, alternatives ausprobieren. Auf jeden Fall gegen die einfachste Lösung sein.

    Meist haben wir einen Bedenkenträger mit im Team, der sagt warum Dinge nicht funktionieren können. Dessen Stimme wird nach einem Fehler lauter, meist mit "Warum habt ihr nicht auf mich gehört?" und "Habe ich doch gesagt!". Nach einem Fehler will diese Person meist die Führung übernehmen.

    Ich habe hier nur eine wilde Mischung aus Figuren genommen, die mir schon begegnet sind, wenn man das Thema inneres Team angeht.

Heiko Harthun

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