Interview: Die Chancen des eigenen Netzwerkes

Martina Diel  (Das IT-Karrierehandbuch) und ich haben uns über unsere Arbeit unterhalten. Hauptsächlich darüber wie wir unsere Kunden dazu anregen ihre persönlichen Netzwerke zu aktivieren und ihr eigenes Vitamin B nutzen. Dabei ist relativ schnell klar geworden, dass es häufig darum geht, einen Perspektivenwechsel oder die Suche nach einem Ausweg aus dem eigenen (inneren) Teufelskreis zu unterstützen.

Wir haben unsere Unterhaltung anschließend in eine Interviewform gebracht. Der Erste Teil findet sich hier bei mir, den zweiten Teil werdet ihr bei Martina im Blog finden. Der Link findet sich am Ende des ersten Teils.

 

Viel Spaß und auch Unterhaltung bei einem Blick hinter die Kulissen unserer Arbeitsweise.

Teil 1 des Interviews mit Martina Diel

Martina Diel: Heiko, wann immer wir uns über unsere Jobs austauschen, stellen wir einige Gemeinsamkeiten fest: Auch wenn sich unsere Klientel unterscheidet und einige Rahmenbedingungen, vieles lässt sich doch wiedererkennen.

Neulich sagtest du, dass Networking eine Hürde ist, über die viele deiner Kunden immer wieder stolpern. Was genau meinst du damit?

 

Heiko Harthun: Viele meiner Kunden haben sich durch die Umstände (z.B. Arbeitslosigkeit oder einen Betriebsunfall mit anschließender Reha) selbst isoliert. Ihre Grundaussage - nach frustrierenden Fehlversuchen des Wiedereintritts in den Job - lautet meist: "Ohne Beziehungen/Vitamin B kriegt man ja gar keinen Job mehr!"

Eine meiner Aufgaben kann dann sein, die Leute dazu anzuleiten, ihr durchaus vorhandenes Netzwerk hervorzuholen. Also die vorhandenen Ressourcen zu aktivieren. Allerdings ist der Widerstand häufig enorm.

 

Martina Diel: Was für Einwände hörst du?

 

Heiko Harthun: Die häufigsten sind: "Ich kenne niemanden!", "Die können mir doch gar nicht helfen (sonst hätten sie es schon)!", oder - wenn es doch einmal sehr ehrlich ist -, dann auch "Ich traue mich nicht, die mit meiner Jobsuche zu belästigen!"

 

Martina Diel: Ja, das sind Argumente, die auch oft höre - das letztere etwas seltener, weil meine Klienten ja sehr oft noch angestellt sind. Aber die anderen beiden Aussagen - oh ja.

Dabei geht es ja bei Networking gar nicht darum, dass man nun unbedingt jemanden kennt, der in der richtigen Branche in der richtigen Firma am richtigen Hebel sitzt.

Ich sage meinen Klienten immer zuerst, dass sie mindestens 300 Leute kennen, die ihnen helfen können. Selten jemand, der da nicht erst mal protestiert oder wenigstens irritiert schaut.

 

Heiko Harthun: Das glaube ich sofort. Das Problem bei meinem Kunden, zumindest aus den Trainingsmaßnahmen, ist leider, dass sie sich tatsächlich häufig von ihren sozialen Kontakten zurückgezogen haben. Aus den unterschiedlichsten Gründen (die ich hier nicht näher erläutern will) sind sie extrem passiv geworden.

 

Martina Diel: Das ist schade, denn die meisten Menschen helfen gerne. Das klingt vielleicht etwas idealistisch - ist es aber gar nicht. Denn um Rat gefragt werden, das schmeichelt ja dem Ego.

Jemandem einen wichtigen Tipp geben können, gibt einem das Gefühl von Bedeutsamkeit.

Und so ist es ja auch: eine ganz simple Info kann entscheidend sein ein Name, ein Link zur rechten Zeit.

 

Heiko Harthun: Dieses Wissen haben leider die meisten von meinen Kunden lange vergessen. Meist erfahren sie von den Leuten Ablehnung, von denen sie sich Hilfe versprechen. Irgendwann findet eine Übertragung statt, da sie diese Ablehnung dann schnell auf ihre gesamte Umwelt projizieren und dann ziehen sie sich zurück.

Aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ist oft eine hart zu knackende Nuss. Da beginnt der Widerstand, von dem ich eingangs sprach. Mein Ansatz ist dann häufig ein Beispiel, in welchem die meisten sich wiederfinden können. Wir kommen meist gemeinsam darauf, dass "sich persönlich vorzustellen" in vielen Fällen (z.B. bei Messen, beim Tag der offenen Tür, einem Gesprächstermin usw.) die effektivste Methode einer Bewerbung ist.

Daran anknüpfend kann ich dann versuchen, mit den Teilnehmern diesen Teufelskreis zu verlassen. Wenn ein Gespräch mit einem Entscheider erst einmal läuft und derjenige keine Jobofferte hat, dann kann man ihn fragen, ob er denn nicht vielleicht jemanden aus der Branche kennt, der gerade eine vakante Stelle hat usw.

So ist man im Gespräch und bekommt vielleicht den passenden Hinweis, mit Glück hat man dann einen Türöffner für sich gefunden. Meist wird es nichts werden, dass muss man sich auch ganz klar vor Augen halten, doch das “Nein” hat man ja schon, wenn man gar nicht erst fragt.

Mit der Frage ergibt sich immerhin die Chance auf ein “Ja”.

 

Martina Diel: Bei meinen Klienten ist es nicht so, dass sie sich statt einer Bewerbung am besten einfach persönlich vorstellen sollten, das ist ja auch sehr stark branchenabhängig.

Trotzdem gilt auch da: Am besten ist es, wenn es nicht irgendwelche Bewerbungsunterlagen sind, die der neue Arbeitgeber als erstes von einem sieht, sondern etwas anderes.

Das kann der kenntnisreiche Artikel in einem Social Network sein, der Vortrag auf einer Fachkonferenz, oder auch einfach der Smalltalk auf dem Grillabend des Nachbarn.

 

Heiko Harthun: Ich habe nur selten Kunden, die solch einen Weg überhaupt gehen könnten. Denen, die diese Möglichkeit haben, habe ich auch schon oft empfohlen, sich zumindest an einem Open Source Projekt zu beteiligen, oder ein ehrenamtliches Projekt auf die Beine zu stellen bzw. bei einem bestehenden zu partizipieren. Kommt deinen Vorschlägen also schon sehr nahe.

 

Martina Diel: Ja, stimmt. Es ist natürlich auch sehr unterschiedlich, was die Leute können und was ihnen liegt. Sich darauf zu besinnen ist sehr viel sinnvoller, als wie das Karnickel auf die Schlange auf die Bewerbungsunterlagen zu starren und sich noch und noch verschnörkeltere Formulierungen auszudenken. Ich nenne das letztere auch gerne "Lebenslauf-Voodoo".

 

Heiko Harthun: Wie gehst du konkret vor, wenn dir jemand sagt: "Das klappt vielleicht bei anderen, aber ausgerechnet bei mir nicht."?

 

Martina Diel: Manchmal kann ich mir nicht verkneifen zu fragen "Woher wissen Sie das?". Aber meistens bin ich eher konstruktiv und frage: „Wie klappt es denn Ihrer Meinung nach bei anderen?“ Das richtet den Blick auf das, was geht und weg von dem, was (vermeintlich) nicht geht.

Von da aus kann man dann den Transfer versuchen.

Eines ist noch interessant dabei: Wenn ich die Leute, die noch gerade eben gesagt habe, dass für sie ja Networking nicht in Frage kommt, wenn ich die frage, wie denn ihr letzter Job zustandegekommen ist oder der davor, dann kommt häufig: „Ja, das war ein verrückter Zufall, der Bruder von einem, mit dem ich im Lauftreff war damals, der wusste was von einem Job in seiner Firma". Dann können wir oft von dort aus schauen, wie man dem "Zufall" nachhelfen kann.

Zum Beispiel mit einem guten Elevator Pitch – aber das soll ein anderes Mal erzählt werden. ;-)

 

Heiko Harthun: Du richtest den Blick also zuerst nach außen oder "hinten", weg von der aktuellen Situation, um dann den Bogen zurück zu schlagen?

 

Teil 2 findet sich bei Martina Diel

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