Vortragseinblicke: Kore Nordmann (Transkript)

Quelle: Morguefile.com
Quelle: Morguefile.com

Transkript des Interviews mit Kore Nordmann.

 

Heiko Harthun: Erste Frage: Kannst du grob überschlagen, seit wie vielen Jahren du Vorträge hältst und zu welchen Gelegenheiten du sie hältst?

 

Kore Nordmann: Tobias hat mich, wenn ich mich recht erinnere, im Jahre 2005 dazu überredet, zum ersten Mal einen Vortrag auf der „International-PHP-Konferenz „ zu halten, damals war das ein Vortrag über Image-3D ein 3D-Rendering, ein vollkommen albernes Projekt, und hat mich dazu getreten, diesen Vortrag zu halten, und seitdem halte ich hauptsächlich auf PHP – Konferenzen und Usergruppenmeetings; zwischen sechs und sechszehn Vorträgen pro Jahr. Und zwar wirklich fast nur PHP-related auf PHP- Konferenzen, wozu dann natürlich seit einiger Zeit Trainings beim Kunden kommen, die dann zumindest in einer ähnlichen Situation stattfinden.

Heiko Harthun: Wenn du sagst, er hat dich dazu gezwungen oder getreten, für die meisten Menschen ist die Vorstellung, vor Publikum zu sprechen eine der größten Ängste, die man überhaupt haben kann. Was hat das bei dir ausgelöst, dass du mittlerweile freiwillig Vorträge hältst? Was begeistert dich daran?

 

Kore Nordmann: Das ist eine sehr schöne Frage, das ist wirklich eine sehr gute Frage. Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht genau, warum er es damals geschafft hat, ich glaube, dass es daran lag, das, was ich damals gemacht habe, präsentieren zu wollen und anderen zeigen zu wollen, und dahinter trat dann die Angst einfach zurück. Ich hab schon ganz früher bei Schülerparlamenten ein, zwei Vorträge vor Publikum gehalten, hatte damals auch tierisches Lampenfieber, immer, auch bei Uni-Vorträgen hatte ich ganz klassisch Lampenfieber, trotzdem war es für ihn nicht allzu schwer, mich dazu zu überreden. Die Frage war für mich eher: “Das interessiert doch keinen, was ich zu sagen habe, warum soll ich darüber reden?“ Da hatte sich dann relativ schnell das Gegenteil gezeigt. Die Hürde, mein Lampenfieber zu überwinden, war gar nicht so da, eventuell auch, weil ich das Karrierepotential darin gesehen habe.

 

Heiko Harthun: War in deiner Formulierung gerade so ein kleiner Hinweis drin, dass du dich schon mitteilen wolltest? Du wolltest also schon mitteilen, was dich an dem Projekt gerade störte oder begeisterte? Hat das das Lampenfieber dann auch ein bisschen weggeschoben, nach dem Motto: „Ich will das jetzt einmal raushauen“?

 

Kore Nordmann: Das ist nun natürlich sieben Jahre her, ich find es schwer, mich daran zu erinnern. Ich kann nicht mehr davon sprechen, wie es damals war, mittlerweile ist der Punkt für mich, ja, ich will das mitteilen, ich will lehren, und ich mag es zu lehren und anderen Leuten Dinge zu erklären oder zumindest meine Sicht der Welt zu erklären und sie dann auch reflektieren zu können anhand dessen. Auf der anderen Seite ist auf allen PHP- Konferenzen mittlerweile das Lampenfieber überhaupt keine Hürde mehr und eigentlich nicht mehr existent, solange es eben in einem gewohnten Rahmen stattfindet. Sobald sich der Rahmen allerdings ändert – ich hatte das jetzt gerade bei einem Kunden, dass ich plötzlich vor den Abteilungsleitern, technischen POs, und einem Entwicklerteam gleichzeitig in einem Meeting die Resultate meiner Arbeit vorstellen musste - da ist dann sofort wieder ein gewisses Maß an Lampenfieber da, auch wenn es kontrollierbar ist für mich.

 

Heiko Harthun: Wie bist du mit dem Lampenfieber in dieser neuen Situation umgegangen? Ging es zu schnell um überhaupt zu reagieren? Bist du einfach ins kalte Wasser gesprungen oder was ist passiert?

 

Kore Nordmann: In dem Fall hatte ich ziemlich viel Vorlaufzeit in der ich saß und darauf wartete, dass ich dran bin mit meinem Vortrag, es ist ja meistens so, dass man relativ lange vorher weiß das man diesen Vortrag gleich halten muss und darauf wartet das das gleich stattfindet, in der neuen Situation. Eine andere solche Situation war übrigens die Diplomarbeitspräsentation, wo dann plötzlich die Professoren mit Diplomanten drinsitzen, was dann auch wieder eine neue Situation für mich ist und dann Lampenfieber verursacht. Ich glaube, ich ignoriere das Lampenfieber einfach, also ich habe keinen Mechanismus bisher für mich gefunden, das alles unter Kontrolle zu bringen. Das einzige Mal, wo es dann wirklich störend für mich war, als es mir einen Vortrag versaut hat, habe ich zum Beispiel die ganzen 45 Minuten eines Vortrages auch nicht wirklich unter Kontrolle gebracht, und dadurch bin ich nie in einen Redefluss hereingekommen. Also so etwas ist mir auch ein Mal passiert. Ohne das ich dann eine Möglichkeit habe damit umzugehen, was doof ist, was aber zum Glück seitdem nie wieder passiert ist.

 

Heiko Harthun: Dann ist das Ignorieren auch schon eine Art damit umzugehen, wenn das natürlich nicht klappt ist das nicht so gut, aber wenn es nur ein Mal vorgekommen ist in sieben Jahren, dann ist das eine natürlich ziemlich gute Statistik.

 

Kore Nordmann: Das ist auch meine Hoffnung, weswegen es mir meine zukünftigen Konferenzen und Talks nicht versaut. Ich weiß noch, welche Konferenz das war: das war eine PHP Benelux wo ich einen Vortrag versaut habe. Wenn man dann wieder zurück auf diese Konferenz kommt das nächste Mal, ist das etwas irritierend, weil man sich dann fragt: „Warum war ich beim letzten Mal so schlecht bei diesem Vortrag und wird mir das wieder passieren?“ Das ist mir dann zum Glück nicht wieder passiert. Damit war die Sache dann erledigt, aber das ist natürlich schon eine doofe Voraussetzung für einen Vortrag.

 

Heiko Harthun: Natürlich, man hat diese Befürchtung, dass es noch einmal passiert , die hat sich dann eingeprägt in sehr positiven oder negativen Situationen, in denen man sich so befindet, die dann immer wieder hochgetriggert werden.

 

Kore Nordmann: Aber wenn man es dann ein Mal kompensiert hat ist es auch wieder gut.

 

Heiko Harthun:: Du hast gesagt, dass du bei den meisten Vorträgen relativ viel Zeit hast. Was ist denn, wenn du den Vortrag aufbaust, wenn du in die Produktion des Vortrages gehst sozusagen, wenn du die Designarbeit machst? Was ist da für dich der antreibende Gedanke?

 

Kore Nordmann: Das hat sich über die Jahre ganz stark geändert. Ich weiß nicht mehr, wie ich meinen allerersten Vortrag vorbereitet habe, die ersten Jahre hab ich dann meinen Vortrag innerhalb weniger Stunden vorbereitet, teilweise in einer Stunde, und den dann gehalten. Mittlerweile mache ich mir sehr viele Gedanken zu meinen Vorträgen, wie ich sie vorbereite, und trage sie entsprechend auch sehr lange schwanger in meinem Kopf. Das geht von „Was genau will ich vermitteln?“, „Was ist die Essenz, die kurze, prägnante Nachricht, die die Leute mitnehmen sollen am Ende?“, das geht dann weiter mit „ Wie baue ich eine tragende Struktur auf?“ ,“Wie baue ich einen Spannungsbogen im Vortrag auf?“, was dann auch bedeutet, dass ich für meine Vorträge sehr viel Vorbereitungszeit brauche. Ich trage diese Idee für einen Vortrag, den ich halten will, meistens Tage oder Wochen in meinem Kopf rum, um dann eine vernünftige Struktur zu entwickeln, auch didaktisch eine vernünftige Struktur zu entwickeln, was dann natürlich sehr stark vom Publikum abhängt, das ich erwarte. Ich brauche dann aber trotzdem noch einen guten Tag um den dann in Folien zu gießen. Das ist mittlerweile sehr viel Aufwand, und deswegen gibt es sehr viele Elemente, über die ich mir da Gedanken mache in der Vorbereitung.

 

Heiko Harthun: Das klingt nach einer sehr strukturierten Vorgehensweise. Da hätte ich zwei Fragen zu. 1. Wenn du zurückdenkst an die früheren Vorträge mit relativ kurzer Vorbereitung, heißt das, du hast im Vortrag selbst sehr viel improvisiert, hast du auch mal Sachen vergessen oder keine passende Folie für das, was du jetzt sagen wolltest?

 

Kore Nordmann: Das hat damals schon ziemlich gut funktioniert, ohne dass ich improvisieren musste in meinen Vorträgen, oder ich habe mich einfach an das Schema gehalten das ich mir vorher ausgedacht habe, ohne dass ich improvisieren musste. Ich glaube, der hauptsächliche Punkt an dem gestiegenen Arbeitsaufwand ist der gestiegene Anspruch an mich selbst bei meinen Vorträgen. Früher war das für mich eher so eine Spaßgeschichte, da stand auch jobtechnisch nichts hinter, es hatte kaum eine Bedeutung, wie gut meine Vorträge tatsächlich waren. Mittlerweile hängt da letztendlich mein Job von ab, weil das für uns als Consultingunternehmen natürlich relevant ist, wie gut wir uns präsentieren. Punkt zwei ist, dass der Anspruch meinem Gefühl nach auf PHP – Konferenzen massiv gestiegen ist an die Vortragenden, an eine Professionalisierung der Vorträge. Mittlerweile bekommt man auf Konferenzen häufig nicht nur eine fachliche Bewertung des Vortrages, was üblicherweise für mich kein Problem ist, sondern es wird auch bewertet, wie der Vortragende gesprochen hat, ob der Vortrag humorvoll war, hat der Vortrag unterhalten. Meiner Ansicht sollten das gerade auf technischen Konferenzen sekundäre Aspekte bleiben, was aber mittlerweile auf einigen Konferenzen für die Zuschauer fast primärer Aspekt geworden zu sein scheint. Damit steigt natürlich auch der Selbstanspruch an die Vorträge.

 

Heiko Harthun: Das ist eine Wechselwirkung, die zwischen Publikum und Vortragendem entsteht. Wenn sie zusätzlich dazu beiträgt, dass dein eigener Anspruch noch höher wird, dann steigt die Vorbereitungszeit.

 

Kore Nordmann: Genau.

 

Heiko Harthun: Du hast eben auch gesagt, dass du dich sehr auf das Zielpublikum des Vortrages einstellst, auch bei den Vorbereitungen. Wenn das Feedback bei technischen Veranstaltungen leider auch didaktisch ausfällt, wie hält man den Vortrag? Auf was konzentrierst du dich dann bei der Zielgruppe?

 

Kore Nordmann: Die Zielgruppeneinstellung ist bei mir hauptsächlich eine technische. Also: welches Vorwissen kann ich erwarten? Und wie kann ich auf diesem Vorwissen/den Modellen, die das Zielpublikum im Kopf hat, aufbauen, um mein Wissen möglichst effektiv zu vermitteln oder die Ideen begreifbar zu machen. Darum geht es bei mir hauptsächlich beim Zielpublikum. Was ich bislang nicht schaffe in meinen Vorträgen ist, explizit Humor oder Unterhaltung unterzubringen. Das kriege ich in meinen Vorbereitungen noch nicht untergebracht, das krieg ich selbst in Vorträgen noch nicht untergebracht. Das heißt, in der Hinsicht kann ich mich nicht vorbereiten, das ist so eine rein didaktische Idee. Da brauche ich ein Wissenskonzept, um darauf beim Publikum didaktisch eingehen zu können.

 

Heiko Harthun: Fragst du am Anfang eines Vortrages dein Publikum, welchen Wissensstand es hat, oder holst du dir eine Information, ob deine Annahme stimmt, mit der du in den Vortrag reingehst, mit der du den Vortrag vorbereitet hast?

 

Kore Nordmann: Wenn das Publikum/die Konferenz für mich unbekannt ist, dann definitiv ja. Ein schönes Beispiel dafür sind die Barcamps, wenn man auf einem Barcamp einen Vortrag über CouchDB hält, hat man überhaupt keine Ahnung, welchen Wissensstand die Anwesenden haben. Im Zweifelsfall bedeutet das auch, dass man eine unglaubliche Differsivität bei den Teilnehmern hat und dann frage ich die erst mal eine Runde lang aus, was ich wo erwarten kann und welche Leute welche Wissensstände haben, damit ich darauf eingehen kann.

 

Heiko Harthun: Für mich als Beobachter und Zuschauer deiner Vorträge war deine Fröhlichkeit begeisternd. Du lächelst viel, du hast in deiner Gestik/deinen Bewegungen relativ viel Dynamik, viel Körperspannung, und das kommt bei mir als Beobachter sehr losgelöst, fröhlich, einfach begeisternd an. Du sagtest ja eben, du schaffst es noch nicht, Humor einzubringen, aber ich finde, durch deine eigene Persönlichkeit und eben genanntes schaffst du es schon, die Leute zu begeistern und in fröhliche Stimmung zu versetzen, in eine positive Grundstimmung. Ist dir das schon einmal aufgefallen? Dass die Leute, obwohl du sagst, dass du Schwierigkeiten hast, Humor oder positive Grundstimmung einzubauen, positiv eingestimmt sind?

 

Kore Nordmann: Dieses Feedback habe ich schon mal bekommen. Ich war mir nie wirklich bewusst woran das liegt oder wie ich das hinbekomme. Deswegen fand ich deine Beobachtung für mich sehr interessant. Das ist glaube ich einfach meine Art, die ich unbewusst auch einfach im Vortrag weitertransportiere. Insofern weiß ich, dass das Publikum im Normalfall keine Probleme hat, mir zu folgen und ich weiß, dass ich es schaffe, die Teilnehmer eines Vortrages/Workshops von meinem Thema zu begeistern, wobei ich auch selbst einfach davon begeistert bin und das weitertransportieren will, ohne dass ich bislang wusste, warum das überhaupt der Fall ist.

 

Heiko Harthun: Freut mich, dass ich dir da helfen konnte.

 

Kore Nordmann: Ich werde darauf mal genauer achten für die Zukunft, ich bin da sehr gespannt drauf.

 

Heiko Harthun: Deshalb war auch meine Frage, ob es noch irgendwo ein Video von dir gibt oder eine Videoaufnahme von einem Talk, dann hätte ich dir die Punkte oder Zeitangaben nennen können, wo du das mal beobachten kannst. Wenn du irgendwann mal ein Video hast, sag Bescheid, dann kann ich da gerne noch mehr Feedback zu geben.

 

Kore Nordmann: Ja, werde ich machen. Ich wollte da auch mit dir drüber sprechen, weil ich weiß, dass du das mit dem Tobias (Schlitt) auch mal diskutiert hast und ich das grundsätzlich sehr interessant finde. Auf der anderen Seite steckt ja auch immer ein klein bisschen Befürchtung drin, wenn ich das zu sehr reflektiere, dass ich mir entweder den Spaß daran nehme weil ich dann plötzlich zu sehr beobachte und das Ganze zu bewusst mache, oder was das für Auswirkungen darauf hat. Da bin ich mir dann unsicher, wenn ich das zu sehr reflektiere, weil ich zu Überreflexion neige.

 

Heiko Harthun: Verständliche Befürchtung, aber meistens kommt man in einem Vortrag ja irgendwann in einen Flow- Effekt, das heißt, man hört auf, Sachen bewusst zu beobachten.

 

Kore Nordmann: Das ist richtig, wobei ich merke, je natürlicher dieses Vortragen für mich wirkt, desto mehr reflektiere ich jetzt schon von mir aus und beobachte mich zum Teil quasi aus zweiter Ebene beim Vortragen. Wenn man häufiger über das gleiche Thema redet läuft man zwischenzeitlich ja auch in Phrasen – ist nicht der richtige Begriff - aber in geübte Sätze und in geübte Pattern rein, die einem gerade so rauskommen, und dann hat man oder das eigene Gehirn die Zeit dafür, das Ganze von außen zu beobachten, und das krieg ich schon noch manchmal mit, dass ich zum Beispiel eben mitbekomme, welche Gestik ich gerade benutze. Das fällt mir schon zwischendurch auf, das passiert immer mal wieder.

 

Heiko Harthun: Interessant, dass ist also durchaus vorhanden. Du kannst hier gegensteuern, indem du das Lampenfieber wieder erhöhst. All die Aspekte, die Lampenfieber so mit sich bringt, also erhöhter Pulsschlag, Schweißproduktion, Aufgeregtheit und so weiter, das kann man natürlich auch künstlich erzeugen, indem man mehr Koffein zu sich nimmt. Also genau das, was ich Leuten, die Lampenfieber haben, empfehle, nicht zu tun, das kannst du dann machen.

 

Kore Nordmann: Das wäre dann eine Möglichkeit. Bislang hat diese Selbstreflexion beim Vortrag noch kein Problem verursacht, ich krieg das dann halt mit, ich find das eigentlich ganz interessant und irgendwann kommt dann relativ schnell meist der Punkt wo ich da kurz drüber nachdenken muss, was will ich als nächstes sagen oder wie muss ich den nächsten Punkt strukturieren, und dann ist das auch wieder vorbei und ich bin wieder voll im Flow drin. Das ist meist schon der Fall, daher war es bislang kein Problem. Und ich wechsle meine Vortragsthemen gezielt und häufig genug, dass das so stark nicht passieren wird. Hoffe ich.

 

Heiko Harthun: Wenn du das Feedback mal haben willst, sag Bescheid.

 

Kore Nordmann: Werde ich machen.

 

Heiko Harthun: Wo du gerade gesagt hast, das du die Vortragsthemen wechselst, wo findest du denn die Aufhänger oder die Inspiration für deine Vorträge? Das ist natürlich die gleiche Frage, die man Schriftstellern auch immer stellt und die sie genauso nervig finden. Kannst du mir da einen Punkt nennen?

 

Kore Nordmann: Ich find es zwischendurch sehr schwer mir vorzustellen, weil das mittlerweile mein Anspruch ist, was wollen die Leute hören und was wollen sie als nächstes verstehen, wo wollen die Teilnehmer hin? Und das ist eigentlich die Frage, die ich mir stelle, wenn ich Vorträge baue. Auf der anderen Seite kommt ganz viel natürliche Inspiration auch, entweder bei den OpenSource-Projekten, die ich mache, oder durch Probleme, auf die ich beim Kunden stoße. Was jetzt zum ersten Mal eine neue Inspirationsquelle für mich war, war eine Konferenz, die vollkommen außerhalb des PHP- Zirkus ist, wo dann eben zum Teil neue Themen für mich aufgegriffen worden sind, die ich dann weiterverarbeite und dann eben in eigene Vorträge konvertieren kann. Das sind im Wesentlichen die 3 oder 4 Inspirationsquellen: fremde Vorträge, die ich gehört habe, die eben außerhalb des PHP-Bereichs sind, Probleme, auf die wir beim Kunden stoßen und die wir beim Kunden gelöst haben, das weiterzuvermitteln, OpenSource-Projekte, an denen ich arbeite, und dann eben die Frage, die sehr schwer für mich selbst zu beantworten ist: Was wollen andere eigentlich lernen und hören?

 

Heiko Harthun: Verständlich. Das heißt aber auch, dass du extrem viele Sachen direkt aus deiner Arbeit herausnimmst, zumindest aus deinem Alltag. Ist das problem - oder ereigniskonzentriert? Auf das, was du so gerade passiert ist oder auf was ihr so gestoßen seid?

 

Kore Nordmann: Ja. Es ist zum Teil auch ein bisschen mutig, ein Problem, das man hat, auch direkt in einen Vortrag zu konvertieren, und das Ganze direkt zu veröffentlichen, die Diskussion öffentlich zu machen. Das führt natürlich dazu, oder kann dazu führen, dass andere sich mit diesem Problem schon deutlich intensiver befasst haben. Allerdings ist mir ein gewisses Selbstbewusstsein in diesem Bereich anheim, was das Ganze für mich unproblematischer macht. Ich weiß, dass ich in Vorträgen auch mit einer Diskussion zu einem Thema zurechtkomme, aus Erfahrung, so dass ich im Zweifelsfall selbst mit einem Problem, mit dem ich mich noch nicht selbst intensiv befasst habe, in eine Diskussion umwandele in einem Vortrag und das mit den Teilnehmern diskutiere. Du hast noch eine andere Frage, wie ich mit improvisierten Vortragssituationen umgehe. Ich hatte jetzt gerade auf der Unconf die Situation, dass Volker Dusch mich gebeten hat, Samstags morgens den ersten Vortrag zu Clean Code von ihm mitzumachen. Ich hatte keine Ahnung, was mich da erwartet, ich wusste nicht einmal genau, was das Thema war, ich habe aber mittlerweile keine Probleme mehr, mich da einfach auf die Bühne zu stellen und zu hoffen, dass mein Wissen diesem Vortrag tatsächlich dienlich ist und dann eine Diskussion gemeinsam mit ihm zu starten auf der Bühne. Das ist allerdings natürlich der große Vorteil, den ich habe, dass ich mittlerweile sehr viele Vorträge und Diskussionen in diesen Bereichen geführt habe.

 

Heiko Harthun: Da gibt dir deine Erfahrung durchaus Sicherheit, auch in den Situationen, wo du improvisieren musst?

 

Kore Nordmann: Ja, Erfahrung und mit einem guten Schuss Arroganz gewürzt.

 

Heiko Harthun: Das Ganze hat natürlich auch immer - zumindest wenn du eine Diskussion als Vortragender anregst - ein bisschen die Position eines Moderators inne. Hast du schon mal festgestellt, was du tust, wenn eine Diskussion droht, zu weitschweifig zu werden oder auch aus dem Ruder zu laufen? Greifst du da ein? Du bist ja auch Teil und Vortragender der Diskussion, also solltest du das tun, aber hast du das schon mal an dir beobachtet, was du dann machst? Oder weißt du, worauf du dann zurückgreifst?

 

Kore Nordmann: Ich habe das Glück, dass meine Mutter geschulte Moderatorin ist, oder war die letzten Jahre ihres Berufslebens, und ich dadurch sehr viel an Techniken zumindest im Überblick von ihr mitbekommen habe. Das heißt, wenn ich Moderator bin kenne ich meine Rolle als Diskussionsteilnehmer und gleichzeitiger Moderator, was gefährlich in der Abwägung ist und was man sehr vorsichtig abwägen muss, damit man nicht selbst zu viel redet und über die Grundsätze, die man als Moderator anderen Teilnehmern auferlegt oder verletzt. Auf der anderen Seite kenne ich übliche Mittel und Wege dadurch, wie ich mit Diskussionen umgehen kann und wie ich sie sinnvoll moderieren kann. Und das funktioniert für mich zum Teil überraschend gut, die Moderation allgemein, sowohl von Meeting als auch von Vorträgen.

 

Heiko Harthun: Kannst du einen Tipp benennen, den du jemand anderem geben würdest, wenn er vorhat, in einem Vortrag auch eine kleine oder kurze Diskussion zu starten?

 

Kore Nordmann: Der wichtigste Punkt ist, glaube ich, das man, wenn man merkt, dass eine Diskussion ausufert, den Teilnehmern - was immer wieder passieren kann, was auch in einer Fragesituation nach einem Vortrag passieren kann - zu sagen, dies Thema wird gerade zu kompliziert, oder „Ich verstehe dich gerade nicht ganz genau, lass und das nach dem Vortrag zu Ende diskutieren draußen.“ Ich glaube, mit diesem Hinweis kann man die meisten problematischen Situationen eigentlich schon auflösen.

 

Heiko Harthun: Vielen Dank für den Tipp. Du hast vorhin kurz erwähnt, dass du einen Vortrag hattest, den Benelux-Vortrag, der für dich furchtbar schief gelaufen ist. Hast du im Nachhinein überlegt, was du beim nächsten Mal, wenn du in eine solche Situation gerätst, tun kannst? Hast du dich auf sowas noch mal vorbereitet?

 

Kore Nordmann: Ich habe darüber nachgedacht. Punkt eins war für mich, zu überlegen, warum bin ich überhaupt in diese Situation gekommen? Das weiß ich immer noch nicht. Es könnte damals so gewesen sein, dass der Vortrag überraschend voll war, dass ich den Vortrag in ähnlicher Form schon mal gehalten hatte, allerdings ihn völlig umstrukturiert habe und mir unsicher war, wie gut das funktionieren wird, das könnten zwei der Unsicherheiten gewesen sein, die diesen Vortrag so problematisch gemacht haben. Falls ich nochmal in diese Situation komme, wie ich damit umgehe, weiß ich nicht. Wie gesagt, bei Lampenfieber versuche ich es einfach zu ignorieren, wenn es dann aufkommt, und das war bis dato auch weiter die Taktik, das einfach nochmal zu ignorieren. Auf der anderen Seite ist das bislang das Einzige, was als Problem in Vorträgen für mich aufgetreten ist. Das war das Lampenfieber damals. Alle anderen Probleme, die so üblicherweise befürchtet werden im Vortrag, sei es ein ausgefallener Beamer, sei es ein ausgefallenes Mikrofon, bereiten mir relativ wenig Sorgen, weil ich glaube, damit umgehen zu können in jeder Situation, und beim Vortrag im Zweifelsfalle an der Tafel, am Whiteboard oder eben durch lautes Sprechen kompensieren zu können und das weiterführen zu können.

 

Heiko Harthun: Das ist schon mal eine relativ gute Plan-B-Situation, die du da ausgearbeitet hast, wenn du den Vortrag auch wirklich ohne Beamer oder Hilfsmittel dann halten kannst.

 

Kore Nordmann: Je nach Vortrag kann das natürlich sehr kompliziert werden, wenn das Source Code lastige Vorträge sind. Auf der anderen Seite weiß natürlich das Publikum dann auch in dieser Situation, dass wir gerade ein unerwartetes Problem haben; okay, mal gucken, wie der Vortragende damit umgeht, und wenn man dann ein bisschen mehr Zeit braucht um Source Code an die Tafel zu schreiben, dann ist das, denke ich, auch für das Publikum immer akzeptabel, gerade weil es eben durch den Vortragenden selbst unbeeinflusst oder nicht verschuldet ist.

 

Heiko Harthun: Das Problem mit dem Source Code, hast du das schon mal überlegt zu umgehen, indem du die Folien , die du ja vorbereitet hast, vorher schon deponierst, wo du deinen Teilnehmern schon sagen könntest, okay, hier die Technik klappt jetzt nicht, hier ist die URL, da könnt ihr den Vortrag herunterladen, ich erzähle hier vorne, ihr könnt da rein gucken; denn die meisten haben ja ihr „Werkzeug“ mit dabei, mit dem sie darauf zugreifen können?!

 

Kore Nordmann: Das machen wir manchmal, wenn wir einen interessanten SourceCode haben deponieren wir den tatsächlich. Die Slides sind dann meist nicht vorher irgendwo verfügbar, sondern die stellen wir dann irgendwann danach erst online zur Verfügung. Das wäre eine Variante, wobei das Internet nach Erfahrung auf Konferenzen sowieso nicht funktioniert. Deswegen würde das natürlich auch wieder nicht funktionieren.

 

Heiko Harthun: Das stimmt natürlich. Erstaunlich, diese Dynamik dabei.

 

Kore Nordmann: Ja, wobei ich das als Konferenzorganisator auch sehr gut nachvollziehen kann, weil wenn die Leute mittlerweile mit durchschnittlich 2,8 Devices pro Person ankommen auf den Konferenzen, das das schwer zu handhaben ist, ist glaube ich, klar.

 

Heiko Harthun: Definitiv. Die nächste Frage greift etwas auf, was du eben schon gesagt hast. Das du laut redest, wenn zum Beispiel die Technik ausfällt und eine andere Anmerkung, die ich dir geschrieben habe, ist, das du bei deinen Vorträgen viel über deine Stimme arbeitest. Du sprichst eh sehr laut und deutlich und transportierst damit auch relativ viel Begeisterung, so dass der Vortrag sehr lebendig wirkt. Jetzt hast du vorhin schon gesagt, dass hast du scheinbar bisher immer automatisch so gemacht, oder das ist einfach deine Art, damit umzugehen. Hast du mal überlegt, wie ich darauf gekommen bin, als ich das geschrieben habe?

 

Kore Nordmann: Nachdem ich das gelesen hatte, diese Anmerkung, also ich kann das nachvollziehen. Mein Bruder war Teilnehmer in der Theater - AG in der Schule. Da kriegt man natürlich auch immer so ein ganz klein bisschen was mit, auch wenn ich das nie selbst gemacht habe. Aber damals habe ich zum Beispiel gelernt, was eine Brust- und was eine Kopfstimme ist und das dann ausprobiert. Ich bin mir seitdem bewusst, dass ich mit Brust- oder Kopfstimme sprechen kann. Dieses Bewusstsein alleine hilft natürlich schon, weil gerade eben diese Bruststimme natürlich sehr viel mehr Intensität und auch Lautstärke und Durchsetzungskraft verkörpert und transportiert. Das ist tatsächlich schon etwas das ich halb bewusst mache, dass Umschalten in eine Bruststimme, wenn ich in dieser Vortragssituation bin. Auf der anderen Seite kommt das bei mir eben auch fast automatisch und natürlich, weil man in einer angespannten Situation ist, ich baue, wenn ich vorne auf der Bühne bin, automatisch Anspannung auf. Und dann ist es natürlich auch einfacher allein von der Körperhaltung her in die Bruststimme zu wechseln und diese zu benutzen. Insofern würde ich sagen, mir ist das schon so ein klein bisschen bewusst was ich da mache, und ich habe zum Beispiel jetzt gerade letzte Woche jemand anders den Tipp gegeben, dass man sich ja mal über Bruststimme informieren könnte, um da ein bisschen mehr zu transportieren bei einem Vortrag. So halb bewusst ist das Ganze schon, ohne dass ich das bewusst einsetze. Weil ich dann aber in einem Vortrag, wie du vorhin auch gesagt hast, einfach in ein Flow reinkomme und das dann einfach quasi auf Autopilot funktioniert.

 

Heiko Harthun: Aber der Tipp mit der Bruststimme ist ja wahrscheinlich für alle Leute, die das lesen, oder Zuhörer, schon relativ interessant. Wenn man nicht wirklich mit Musik oder eben mit Theater oder Schauspielerei zu tun hat, erfährt man selten, dass es so etwas gibt, oder das es unterschiedliche Arten gibt, die Stimme zu benutzen und das so zu steuern.

 

Kore Nordmann: Das ist richtig. Und eine der schlimmsten Vorlesungen zum Beispiel, die ich an der Uni hatte, war eine Vorlesung von einer Professorin, die kontinuierlich mit einer piepsigen Kopfstimme die ganze Vorlesung gehalten hat, was wirklich für mich persönlich dann anstrengend ist. Und ich habe dann immer das Bedürfnis, nach vorne zu gehen und ihr das zu erklären, dass man die Stimme auch anders benutzen kann, weil das sehr leise und dann auch sehr anstrengend werden kann.

 

Heiko Harthun: Das kann ich gut nachvollziehen. Das gibt es leider sehr häufig. Man versucht da ja gegenzusteuern, indem man Mikrofone ausgibt, aber auch das klappt nicht immer sehr gut.

 

Kore Nordmann: Ja.

 

Heiko Harthun: Die Arbeit als Consulting, wenn du Schulungen leitest und Seminare gibst, hat die Synergieeffekte erzeugt zwischen deinen Vorträgen und deiner Arbeit, außer dass du die Themen ermittelst?

 

Kore Nordmann: Also das ist glaube ich fast der wichtigste Punkt für mich, dass man eben Themeninspirationen bekommt. Der andere Punkt ist, dass wir Folien zum Teil wiederverwenden, in beide Richtungen. Die Vorträge, die ich gehalten habe, haben mir natürlich geholfen, mich auf diese Situation in Seminaren und Workshops vorzubereiten, die ich häufig tatsächlich ähnlich halte. Ich stehe auch bei Workshops, wenn ich nur mit drei/vier anderen Leuten im Raum sitze, gerne auf und halte Teile des Workshops so, wie ich einen Vortrag halte; um dann natürlich auf der anderen Seite auch ruhigere Arbeits- und Konzentrationsphasen einzubauen. Wobei das gerade aus der didaktischen Sicht der Aufbau eines Workshops oder Seminares ein ganz anderer ist als der eines Vortrages, und man braucht auch ganz andere Spannungsbögen darin. Was dann zum Teil die Wiederverwendbarkeit der Slides als auch die Wiederverwendbarkeit von - von mir unbewusst vermittelten - stilistischen Mitteln schwieriger gestaltet.

 

Heiko Harthun: Was ist für dich der Hauptunterschied? Das du in Schulungen und Seminaren nur kurze Vortragselemente machen kannst wo der Effekt, wie du gesagt hast, verschwindet? Oder was benutzt du da, um was geht es dir da genau?

 

Kore Nordmann: Ich glaub der Hauptunterschied ist, bei einem Vortrag hab ich wirklich mittlerweile den Anspruch, die Teilnehmer zu unterhalten, und denen sozusagen tolle 45 Minuten zu liefern, wo sie eben Informationen mit mitbringen, und das Ganze zumindest halbwegs unterhaltend zu gestalten. Wohingegen bei einem Workshop dieser Anspruch, glaube ich, nicht notwendigerweise da sein muss. Die Teilnehmer sitzen da, wissen, sie werden jetzt mindestens einen Tag lang oder normalerweise drei Tage lang zu einem Thema was lernen, und wollen einfach auch lernen, und sind noch mehr selbstmotiviert, als es bei einem Vortrag der Fall ist. Und damit sind diese Spannungsbögen oder Motivationen in diesem Maße nicht notwendig. Wobei die Teilnehmer natürlich immer über Motivation froh sind, und damit gilt es mir bei einem Workshop eigentlich, mehr den Teilnehmern eine initiale Motivation zu geben, diesem Thema zu folgen, um dann eben in eigene Arbeitsphasen, Konzeptionsphasen einzutauchen. Und dafür ist natürlich häufig auch ein viel tiefgreiferendes Verständnis des Inhaltes notwendig, während beim Vortrag häufig ein Überblick ausreicht und die Teilnehmer sich dann sowieso anschließend selbst weiterinformieren, muss beim Workshop genug Inhalt transportiert sein, dass die Teilnehmer direkt danach auch Sachen direkt umsetzen können und damit arbeiten können.

 

Heiko Harthun: Das ist zum Teil natürlich deutlich praxisorientierter, nach dem Motto „hier ist der Informationsbrocken, hier ist die Art und Weise, wie man damit umgehen kann, jetzt probiert es aus“.

 

Kore Nordmann: Ja. Genau.

 

Heiko Harthun: Okay, das ist dann ein anderer Spannungsbogen als in einem Vortrag, ja.

 

Kore Nordmann: Und das reduziert natürlich die Wiederverwendbarkeit eigentlich auf fast allen Ebenen, ob das jetzt die Slides sind, ob das die Struktur des Inhaltes ist, oder ob das eben die Mittel sind, mit denen man die Inhalte transportiert persönlich. Das ändert doch sehr viel, wenn man da genauer drüber nachdenkt.

 

Heiko Harthun: Ja, sehr deutlich. Ich habe zu Beginn gefragt, was der antreibende Gedanke bei der Vorbereitung oder der Konzeption eines Vortrages für dich ist. Gibt es außer deiner Motivation an sich, den Vortrag zu halten, außerdem noch einen anderen inneren Motor, der dich quasi durch den Vortrag selber treibt?

 

Kore Nordmann: Das ist bei mir wirklich Spaß an der Materie. Ich habe sehr viel Freude daran, mich mit den Themen zu beschäftigen, über die ich rede, und ich rede dann einfach gerne über das Thema und bleibe deswegen auch in den Vorträgen dabei. Was mir persönlich immer unheimlich wichtig ist, ist eben die Reflexion von Themen mit Anderen, weil ich weiß, dass man ein Thema immer von verschiedensten Seiten betrachten kann, und es sehr viel hilft, anderer Leute Meinung zu diesem Thema einzubeziehen in das eigene Gedankenmodell zu einem Thema. Damit wird es unheimlich wichtig, dieses Thema mit anderen zu besprechen, und die einfachste Art und Weise, mit anderen in Kommunikation zu einem Thema zu kommen sind natürlich Vorträge darüber. Das heißt, für mich sind Vorträge tatsächlich auch ein Mittel zur Selbstlehre oder zur eigenen Fortbildung.

 

Heiko Harthun: Weil du dadurch in der Lage bist, das Verständnis für dich selber auch noch mal zu vertiefen, indem du Sachen formulierst, aussprichst und für dich selber klar hast?

 

Kore Nordmann: Und Feedback durch Teilnehmer bekomme, genau.

 

Heiko Harthun: Also darf es auch ruhig kritisches Feedback sein mit einer anderen Meinung? Wo man einfach auch den Perspektivenwechsel hat?

 

Kore Nordmann: Das ist das hilfreichste Feedback. Nur Bestätigung hilft niemandem weiter, ist natürlich trotzdem schön zu bekommen. Positive Motivation ist immer etwas ganz grandioses, aber je kritischer die Stimme, oder je reflektiert kritischer die Stimme wird, gerade wenn es fachlich ist, desto hilfreicher ist es natürlich, um mich selbst fortzubilden, ja.

 

Heiko Harthun: Also Kritik in dem Sinne, dass wirklich jemand reflektiert, also einen Perspektivenwechsel durchführt und nicht einfach behauptet, dass sei gar nicht so oder das sei ganz anders?

 

Kore Nordmann: Genau. Die dümmste Form von Kritik ist natürlich, einfach zu sagen, dass ist Scheiße, was du da gerade machst, das hilft niemandem weiter. Man muss natürlich wissen, warum der Andere anders denkt über dieses Thema, und dann kann man das gemeinsam beleuchten, findet den richtigen Weg aus dem Thema raus und kann neue Meinungen inkludieren.

 

Heiko Harthun: Ja, ich hab schon häufiger auch wenn ich im Publikum saß meine umliegenden Gesprächspartner oder Zuhörer darüber reden hören, dass es relativ häufig auf Entwicklerkonferenzen kritische Stimmen gibt, die sehr salopp mit so etwas umgehen. Wie du es eben schon formuliert hast. Ist dir das schon mal passiert? Oder was machst du dann aus einer sehr provokanten Kritik, um aus der Äußerung den Hintergrund herauszukriegen? Fragst du noch mal nach oder übergehst du das einfach?

 

Kore Nordmann: Leider passieren diese sehr brüsken oder saloppen Äußerungen nur online oder normalerweise anonym, so wie ich das kenne. In der direkten Kommunikation mit Entwicklern, die ja nicht immer so einfühlend sind, wie sie vielleicht sein könnten in der Kommunikation, ist mir das noch nicht passiert, dass mich jemand direkt damit konfrontiert hat. Eben nur dann als anonymes Feedback auf üblichen Kommentarplattformen. Was dann natürlich extrem unproduktiv ist und was man dann nur ignorieren kann, weil alles andere zieht einen nur runter und bringt niemanden weiter.

 

Heiko Harthun: Auch mir ist das Vorurteil eigentlich noch nicht begegnet, muss ich sagen, was man landläufig über Entwickler hat, kann ich also auch nicht bestätigen.

 

Kore Nordmann: In der direkten Kommunikation habe ich noch nie Probleme mit einer Person gehabt was das angeht. Das die auf mich zukam und sagte: “Du, alles ist Scheiße, was du hier gemacht hast.” Es gibt halt viele Trolle online, und die muss man einfach lernen zu ignorieren, was trotzdem schade ist, dass das existiert, aber da gibt es, glaube ich, keinen Weg dran vorbei. Und ansonsten gelingt es mir zum Glück bislang meistens relativ gut, die Position eines Fragenden oder Kritisierenden zu verstehen und dann gemeinsam mit ihm einen Punkt zu erreichen, wo man sich dann gegenseitig versteht und die Motivation für das eigene Handeln gegenseitig versteht. Das ist eine Situation, in der sich die Richtung der Kritik umkehrt und was ich sehr häufig erlebe ist, dass wir immer mal wieder Codereviews in Unternehmen machen, und man muss natürlich wissen und verstehen, dass der Code, den Entwickler geschrieben haben, dann etwas ist, worauf sie normalerweise stolz sind oder wo sie zumindest sehr viel Zeit und Arbeit investiert haben. Und dann natürlich eine Form der Kritik zu finden, die für beide Parteien funktioniert, mit einem positiven Ausgang das Ganze zu krönen, ist natürlich auch sehr schwer und bedarf einiges an Einfühlungsvermögen, um das sinnvoll rüberzubringen. Im optimalen Fall würde man das natürlich auch von Fragenden in einem Vortrag erwarten. Das ist dann natürlich tatsächlich leider nicht immer so. Auf der anderen Seite kann man nur als Vortragender daher gehen meiner Erfahrung nach, und dann sehr brüske Kritik eben durch aufbauen eines Verständnisses für die Situation des Fragenden das dahin überführen, dass man gemeinsam sich auf eine Lösung des Problems einigt.

 

Heiko Harthun: Das heißt, du versuchst bei Kritik, nicht die Beziehungsebene wahrzunehmen, das heißt, jemand ist mit einer Aussage nicht einverstanden oder hat etwas gegen die Art und Weise, wie du das vorgetragen hast, sondern du versuchst umzuschalten und rauszufinden, oder dich selbst zu fragen, warum sagt der das jetzt und wie kommt der zu seiner Meinung? Was ist sein eigentlicher Beweggrund?

 

Kore Nordmann: Genau.

 

Heiko Harthun: In Ordnung. Auch das ist eine gute Technik, ja.

 

Kore Nordmann: Sie funktioniert zumindest bislang für mich relativ gut.

 

Heiko Harthun: Wenn ihr bei Codereviews ja eher Feedback gebt und nicht so sehr Kritik, dann wird das natürlich auch deutlich besser aufgenommen, klar.

 

Kore Nordmann: Ja, und es ist nun mal so, gerade wenn wir jetzt über Codereview reden, die Fehler, die ich im Code von anderen finde, oder die Probleme, ich hab die alle selbst gemacht und daraus gelernt über die Zeit. Was wir als Consultants machen oder was unser Ziel ist, ist ja eigentlich nur, das Lernen zu beschleunigen oder den Leuten zu helfen, das Lernen zu beschleunigen, die Wissensakkumulation zu beschleunigen. Und genau so muss man das betrachten. Ich habe die Fehler alle selbst gemacht, ich habe daraus gelernt und ich versuche dann nur, mein Ergebnis, dass ich mir hart erarbeitet habe, den anderen ein wenig günstiger anzubieten, vom Zeitaufwand her.

 

Heiko Harthun: Das ist eine andere Art und Weise, mit Fehlern oder einer Fehlerkultur umzugehen, als das, was wir leider an der Schule bisher lernen.

 

Kore Nordmann: Ja, das ist richtig.

 

Heiko Harthun: Ich habe noch zwei abschließende Fragen. Wenn du einer Person, die gerade selbst der Meinung ist, sie habe ein grandioses Thema/Projekt, für das sie sich begeistert, und sie traut sich nicht, auf einer Konferenz einen Vortrag einzureichen, einen Satz mit auf den Weg geben würdest, wie würde dieser lauten?

 

Kore Nordmann: Ich habe keine Ahnung. Das, was ich den Leuten sage, ist, redet auf einer Unconference oder Usergroup über das Thema, um Selbstsicherheit zu gewinnen. Die Kompetenz bei diesen Personen ist ja meist vollkommen ausreichend, die Befürchtungen sind vollkommen unnötig. Dann sollte man auf Konferenzen anfangen, wo der Anspruch an den Stil eines Vortrages nicht so hoch ist wie zum Beispiel auf einer Dutch PHP Konferenz. Und dann heißt es eigentlich: “Einfach machen!”

 

Heiko Harthun: Das war schon ein relativ direkter Satz, ja. Aber du würdest auf jeden Fall vorgeben, mit interessierten, kleinen Gruppen anzufangen, und einfach rauszufinden, wie geh ich mit dem Thema um, was begeistert die anderen Leute, was kann ich dazu sagen?

 

Kore Nordmann: Genau. Wie fühlt sich die Vortragssituation an, wie komme ich damit zurecht und wie kann ich dann zumindest nach 2-3 Vorträgen auf diese Situation schielen und andere Sachen ausprobieren in dem Vortrag. Das funktioniert meiner Erfahrung nach gerade in Usergroups excellent, die Leute sind absolut guten Willens, wenn man da einen Vortrag hält, und da passiert einem wirklich nichts Böses und das ist ein wunderbarer Einstieg. Bei unserer Usergroup Dortmund habe ich es mittlerweile geschafft, dass alle bis auf eine Person, an der arbeite ich noch, mittlerweile Vorträge auf Konferenzen gehalten haben. Weil wir denen eben diese Einstiegsmöglichkeiten gegeben haben, und dann findet eigentlich jeder dazu.

 

Heiko Harthun: Ja wenn der geschützte Rahmen da ist.

 

Kore Nordmann: Genau.

 

Heiko Harthun: Sehr schön. Ja, dann finde ich das eine gute Idee, dass im kleinen, geschützten Rahmen auszuprobieren und dann nach Draußen zu tragen, dass motiviert die Leute ja auch sehr stark.

 

Kore Nordmann: Und wenn jemand einen Schritt nach Draußen machen will kann er sich gerne an mich wenden. Ich werde dann versuchen, die nächstbeste Konferenz dafür zu finden. Das habe ich jetzt bei den Leuten unserer Usergroup gemacht, jetzt fehlen mir gerade die Leute, mit denen ich das weitermachen kann, also immer gerne.

 

Heiko Harthun: Okay, wenn du da als Multiplikator fungierst, super, sehr gerne.

 

Kore Nordmann: Ich mag es, Leute auf Konferenzen zu haben, und auch wenn ich da mittlerweile selbst zu gehöre, dieser Standartzirkus an Vortragenden, dass wird mit der Zeit halt auch ein wenig langweilig, und ich find es schön, wenn die Leute auf die Konferenzen kommen und neue Ansichten und Ideen haben und die eben transportieren können. Ich halte das für sehr wichtig.

 

Heiko Harthun: Ja auf jeden Fall. Neues, frisches Blut ist auf jeden Fall nicht nur bei dieser Art von Konferenzen wichtig, sondern eigentlich bei jeder.

 

Kore Nordmann: Genau!

 

Heiko Harthun: Ich habe eine Liste angehängt mit Leuten, die ich fragen will, ob sie auch ein Interview zu dem Thema mit mir halten und Leuten, die ich schon gefragt habe und die auch schon ja gesagt haben. Hast du da noch Ergänzungen, wo du sagst, du sorgst gerne dafür, dass neue Leute dazukommen. Jemand, wo du „wow“ gesagt hast, „der hat auf jeden Fall Potential“? Oder Sachen, wo du gesagt hast, so etwas habe ich noch nie gesehen, vielleicht könnte man mal darüber reden, wie derjenige auf seine Ideen kommt.

 

Kore Nordmann: Einer der besten Speaker in der PHP-Community ist David Zuelke, der sehr viel mit vorausberechnetem Humor arbeitet, der sich sehr viele Gedanken darüber macht, insofern wär das wahrscheinlich interessant, auch wenn er kein neuer Speaker in der PHP-Community ist. Da kann ich gerne auch Kontakt herstellen.

 

Heiko Harthun: Ja, sehr gerne.

 

Kore Nordmann: Und sonst fällt mir jetzt spontan niemand ein. Eventuell könnte ich dir noch Kontakt aufbauen zu Hans-Christian Otto, der auch bei uns aus der Usergroup kommt und sehr viel jünger ist und trotzdem es eben geschafft hat, mittlerweile auch regelmäßig auf Konferenzen zu sprechen und Workshops zu geben. Ich weiß nicht, wie stark er das reflektiert, was er da überhaupt macht, wie er Vorträge hält, insofern wär das vielleicht auch ganz interessant. Und den ich quasi gezwungen habe, seinen ersten Vortrag zu halten.

 

Heiko Harthun: Okay, dass klingt gut. Also in etwa so, wie Tobias (Schlitt) das mit dir gemacht hat?

 

Kore Nordmann: Ja, ich war noch ein bisschen brutaler. Ich hab auf der Unconference einen Vortrag eingereicht über Asterisk, ich wusste, dass er der Einzig ist der darüber reden kann, und habe Leute überzeugt, dafür abzustimmen, und dann musste er den Vortrag halten. Ich war mir allerdings sehr sicher, dass er das ohne große Probleme hinkriegt und das war dann auch so. Ist schon sehr gemein. Aber es hat funktioniert.

 

Heiko Harthun: Er hat sich ja wahrscheinlich entsprechend bedankt?

 

Kore Nordmann: Ja, mittlerweile ist er dafür dankbar.

 

Heiko Harthun: Der Schock am Anfang ist nicht zu verachten. Aber auch dafür sind Unconferences da, das ist ja auch eigentlich ein relativ geschützter Rahmen.

 

Kore Nordmann: Genau. Die Usergruppen sind der maximal geschützte Rahmen, dann kommt Unconference und Froscon, die beide auch noch funktionieren, für unerfahrene Speaker. Die International PHP Konferenz ist auch noch relativ gutmütig, das in dem Sinne brutalste, was ich erlebt habe, war die Dutch PHP Konferenz, da sollte man nicht unbedingt anfangen. Da gab es Kommentare nachher in dem Speakerbewertungssystem für einzelne Personen wie: Vortrag inhaltlich gut, allerdings fühlte ich mich nicht unterhalten. Und dann bekommt man einen von fünf Sternen oder so was. Das kann schon heftig sein.

 

Heiko Harthun: Ja, definitiv. Wenn man auf einer Informationsveranstaltung - oder -Konferenzen ist.

 

Kore Nordmann: Und das ging an Leute, die seit Jahren Vorträge halten und deswegen tendenziell nicht schlecht sind und normalerweise ausreichend selbstsicher für solche Vorträge sind.

 

Heiko Harthun: Im Rückblick ein hartes Publikum, das stimmt.

 

Kore Nordmann: Ja. Und ich glaube, zum Beispiel in der UK ist das ähnlich. Auf der anderen Seite habe ich gehört, dass in UK der fachliche Anspruch an Speaker nicht ganz so hoch ist wie er das in Deutschland ist.

 

Heiko Harthun: Das hängt wahrscheinlich auch ein bisschen mit der Diskussions -und Vortragskultur in Großbrittanien zusammen. Die ist da deutlich anders als hier in Deutschland. Oder überhaupt im nahen europäischen Umfeld.

 

Kore Nordmann: Ja, die angelsächsische Kultur ist da einfach noch mal eine andere irgendwie. Bisschen.

 

Heiko Harthun: Ganz deutlich. Die wollen tatsächlich in einem Vortrag auch stärker unterhalten werden.

 

Kore Nordmann: Wie gesagt, wenn jemand da die nächsten Schritte machen will kann er sich gerne an mich wenden und dann kann man das gerne diskutieren und darüber nachdenken, was das sinnvollste für die jeweilige Person ist. Und dazu kommt natürlich das ich gerne Leute auf der Froscon platziere und ich die letzten Jahre explizit gesagt habe, ich will nach Möglichkeit neue Leute auf der Froscon haben, die noch nicht so viele Vorträge gehalten haben. Auf der anderen Seite ist das dann auch gerade bei Konferenzorganisatoren immer wieder der Weg, dass es viel einfacher ist, bekannte Speaker zu haben, weil man dann von denen eine definierte Leistung bekommt. Was natürlich immer sehr bequem ist als Wahl.

 

Heiko Harthun: Ja natürlich, man hat einen entsprechenden Publikumsmagneten, der natürlich auch noch relativ schnell Tagesgäste anziehen kann. Was auch bei diesen Konferenzen wichtiger wird. Und die Froscon ist da eine gute Mischung.

 

Kore Nordmann: Du warst dieses Jahr auch auf der Froscon?.

 

Heiko Harthun: Ja.

 

Kore Nordmann: Letztendlich, wenn ich jetzt zurückblicke, so viele neue Speaker hatte ich dieses Jahr schon wieder nicht im Programm aufgenommen auf der Froscon, was eigentlich schon wieder schade ist. Aber ein paar neue waren dabei.

 

Heiko Harthun: Es waren durchaus neue dabei, dass finde ich auch. Gut, ich finde, das ist ein relativ gutes Schlusswort, außer du hast jetzt noch Fragen an mich die du noch unbedingt loswerden willst.

 

Kore Nordmann: Nein, spontan nicht.

 

Heiko Harthun: Okay.

 

Kore Nordmann: Hat mir Spaß gemacht.

 

Heiko Harthun: Das freut mich. Ich danke dir auch vielmals, dass du dir die Zeit genommen hast und für die Mühe, die ganzen Fragen sehr deutlich und ausführlich zu beantworten.

 

Kore Nordmann: Gern geschehen. Mir macht es Spaß, über so etwas selbst zu reflektieren, in diese Situation kommt man ja auch nicht unprovoziert immer rein. Deswegen finde ich so etwas sehr interessant, da mit jemanden wie dir drüber zu reden.

 

Heiko Harthun: Das freut mich, sehr schön. Ja und wenn du mal Bedarf hast, akut eine Konferenz zu machen, sag mal Bescheid.

 

Kore Nordmann: Ich versuche, mich beim nächsten Mal daran zu erinnern. Jetzt bei der Unconference war es wieder so, dass ich in fünf von acht Slots selbst geredet habe, dann wird so etwas immer etwas schwieriger.

 

Heiko Harthun: Gut. Dann beende ich mal die Aufnahme.

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