Vortragseinblicke: Interview mit Lars Jankowfsky

Lars Jankowfsky
Lars Jankowfsky

Lars Jankowfsky ist aktuell CTO bei Yatego. Er hat mehr als 20 Jahre Softwarentwicklung, 10 Jahre agil mit eXtreme Programming und notorischer Entrepreneur, Gründer OXID eSales AG, Gründer swoodoo AG und zuletzt VP Engineering Europe bzw. Director Quality Engineering bei Kayak.

 

Lars lebt im chronischen Floweffekt und ist ständig mit neuen und neueren Projekt bis über beide Ohren beschäftigt. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass er sich die Zeit genommen hat, mir einige Fragen zu beantworten. Trotz der Kürze und Knappheit der Antworten, sind sie doch nicht weniger informativ.

 

Und jetzt wünsche ich viel Spaß beim Interview.

Heiko Harthun: Kurz und knapp: Kannst du grob überschlagen, seit wievielen Jahren du Vorträge hältst und zu welchen Gelegenheiten?

 

Lars Jankowfsky: Seit 2007 - und meist bei technischen Konferenzen wie z.B. International PHP Conference etc.

 

Heiko Harthun: Gibt es für dich eine Unterteilung zwischen beruflichen und privaten Vorträgen? Wenn ja, wie unterscheiden die sich?

 

Lars Jankowfsky: Nein. Ich bin Unternehmer und kenne kein Privatleben. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit.

 

Heiko Harthun: Für die meisten Menschen ist die Vorstellung vor Publikum zu sprechen eine der fünf großen Ängste. Warum bist du so begeistert, dass du sogar freiwillig Vorträge hältst?

 

Lars Jankowfsky: Auch ich bin nervös vor einem Vortrag - mir ist allerdings wichtiger mein Wissen zu vermitteln. Ich habe soviel Hilfe erhalten in vielen Jahren so das ich schlicht etwas an die Community zurückgeben möchte - das ist mein Hauptgrund.

 

Heiko Harthun: Wie gehst du mit Lampenfieber um? Vor allem Lampenfieber bei Vorträgen auf einer neuen Konferenz auf der du noch nie warst oder einem Publikum welches dir vollkommen unbekannt ist?

 

Lars Jankowfsky: Lampenfieber hab ich nicht - etwas nervös bin ich sicherlich aber das war es auch schon.

 

Heiko Harthun: Hilft dir die Nervosität bei deinen Vorträgen?

 

Lars Jankowfsky: Nein, gar nicht. Das nervt.

 

Heiko Harthun: Was ist der dich antreibende Gedanke bei der Vorbereitung und Produktion eines neuen Vortrags?

 

Lars Jankowfsky: Möglichst viel Wissen zu vermitteln und gleichzeitig unterhaltend zu sein. Ein paar Gags müssen auch sein ansonsten schläft mir das Publikum noch ein. Nichts ist schlimmer als ein Talk mit interessantem Inhalt welcher langweilig vorgetragen wird.

 

Heiko Harthun: Wie ist deine Strategie beim Einbau von Gags? (Tipps für diejenigen, die damit erhebliche Schwierigkeiten haben …)

 

Lars Jankowfsky: Letztlich ist es ein Kombination aus Erfahrungen und Learnings die ich so aus meinem Alltag kenne und welche das Publikum in ähnlicher Weise auch schon erlebt hat und dazu noch ein lustiges gerne etwas seltsames Bild. Das reicht meist.

 

Eigentlich geht es nur darum die Wahrheit zu sagen die jeder kennt aber nicht ausspricht.

 

Heiko Harthun: Die gleiche nervige Frage, die auch einem Schriftsteller dauernd gestellt wird: Wo findest du den Aufhänger die Inspiration für einen Vortrag? In einem anderen Interview hast du die Frage nach deiner Inspirationsquelle schon einmal beantwortet: Nämlich deine Arbeit bzw. dein Arbeitsalltag. Deshalb verändere ich die Frage etwas: Wie entscheidest du, welche Themen für dein Zielpublikum womöglich interessant sein könnten?

 

Lars Jankowfsky: Auch hier schlicht basierend auf meinem Alltag. Ich sehe ja nun welche Dinge problematisch sind und erfahre tägliche eine Vielzahl von Gründen warum Projekte schief gehen können. Wenn ich aus diesem Erfahrungsschatz schöpfe, diesen weitergebe und somit für weniger Probleme woanders sorge dann bin ich sehr zufrieden.

 

Heiko Harthun: Über die Jahre hinweg sind deine Vorträge - wahrscheinlich auch subjektiv empfunden - immer besser geworden. Was hast du für dich selbst im Umgang mit dem Publikum rausgefunden, worauf konzentrierst du dich mittlerweile?

 

Lars Jankowfsky: Ich versuche das Publikum zu spüren und zu unterhalten. Für mich ist ein Umfeld mit einem nicht oder nur träge reagierenden Publikum sehr negativ daher versuche ich in diesen Fällen die Leute aus ihrer Lethargie zu rütteln und zum mitmachen zu bewegen.

 

Heiko Harthun: Wie schaffst du es dein Publikum zum mitmachen zu bewegen? (2 Beispiele vielleicht)

 

Lars Jankowfsky:  a) Fragen stellen und wenn diese dann wie meist nicht beantwortet werden dann picke ich mir gezielt Menschen aus die antworten müssen.

b) Direkte und konkrete Ansprache von Personen als "Also wenn ich dich ansehe dann glaube ich einfach nicht das du DAS nicht weisst"

 

Heiko Harthun: Wenn du spontan einen Vortrag halten sollst oder sonst in irgendeiner Art und Weise improvisieren musst, was tust du, worauf greifst du zurück?

 

Lars Jankowfsky: Übung, Übung und Übung. Ich hatte vor zwei Wochen einen Vortrag vor fast 800 Managern. Passender weise konnte ich meine Präsentation nicht nutzen (IT Probleme) und hatte somit meine Notizen nicht verfügbar. Der Talk ging nur deshalb einigermassen gut über die Bühne weil ich die Thematik und den Talk schon kannte - trotzdem war das ganze natürlich sub optimal. Letztlich bin ich jemand der sich gründlich vorbereitet - eine spontane Präsentation geht nur zu Themen bei denen ich sehr sattelfest bin.

 

Heiko Harthun: Hast du schon einmal einen Vortrag gehabt, bei dem wirklich alles (oder zumindest viel) Schiefgegangen ist? Wenn ja, wie hast du das durchgestanden? Wenn nein, bist du auf einen solchen Moment vorbereitet?

 

Lars Jankowfsky: Ja. Den o.g. Vortrag. Mein MAC war nicht kompatibel, PDF ging auch nicht und ich musste zu Powerpoint konvertieren on-the-fly während unten 800 Manager sassen und gelangweilt auf den Start gewartet haben. Im Anschluss ist es mir dann auch zuerst nicht gelungen die Leute zu fesseln und meine Gags habe nicht gezogen. Furchtbar. Ich habe trotzdem positives Feedback erhalten war aber extrem unzufrieden mit mir.

 

Ich habe immer einen USB Stick dabei mit einem Backup der Präsentation in versch. Formaten - nur genau da hatte ich den nicht dabei. Murphy!

 

Heiko Harthun: Was ist dein intrinsisches Ziel bei Vorträgen? (Beispielsweise: Deine Zuhörer beraten, sie in die Lage versetzen, ihre Arbeit besser zu machen, sie belehren, ihnen einen Überblick verschaffen, sie unterhalten, selbst einen guten Eindruck hinterlassen, oder etwas verkaufen)

 

Lars Jankowfsky: Sie in die Lage zu versetzen bessere Arbeit zu leisten, Verständnis für komplexe Vorgänge erzeugen und zu unterhalten.

 

Heiko Harthun: Person X hat ein “grandioses” Thema/Projekt, traut sich aber nicht für eine Konferenz einen Vortrag einzureichen. Du hast einen Satz, den du ihr (der Person) in den Kopf hämmern kannst, wie lautet dieser?

 

Lars Jankowfsky: Es gibt nichts zu verlieren und viel zu gewinnen - den mutigen gehört die Welt!

 

Heiko Harthun: Deine Vorträge sind häufig stark von der Lebendigkeit geprägt, die du mit viel Bewegung im Raum und extrem treffsicherer (veranschaulichender) Gestik erzeugst. Ist diese Dynamik von dir (zumindest teilweise geplant) oder ergibt sie sich daraus, dass du im Thema aufgehst?

 

Lars Jankowfsky: Komplett ungeplant und intuitiv.

 

Heiko Harthun: Du arbeitest bei deiner Mimik immer sehr stark mit deinen Augenbrauen und deinem Lächeln. Das erzeugt beim Beobachter Sympathie (Lächeln) und Aufmerksamkeit (gehobene Augenbrauen). Aktive Anwendung oder normale Mimik?

 

Lars Jankowfsky: Ach? Spannend ;) - höre ich gerade zum ersten Mal daher muss das dann wohl meine Standard Mimik sein. Muss mal auf meine Augenbrauen achten....

 

Heiko Harthun: Du lachst viel in deinen Vorträgen, sowohl selbstironisch als auch durch die Anekdoten, die du einbaust. Ist diese Technik der “Kriegsgeschichten” oder “Geschichten von der Front” (sprich Arbeitsalltag), eingeleitet durch meist humorvolle Bilder in deiner Präsentation absicht oder Flow?

 

Lars Jankowfsky: Absicht und geplant. Ich überlege mir welche Anekdoten aus dem Alltag unterhaltsam sind und gleichzeitig die richtige Moral vermitteln. Letztlich verstehe ich mich als Märchenerzähler alter Schule welche damals ja auch letztlich Wissen und Verständnis für best. Sachverhalte erzeugen wollten.

 

Heiko Harthun: Hättest du noch einen Vorschlag, wen ich ausser dir noch zu diesem Thema interviewen könnte?

 

Lars Jankowfsky: Christian Wenz. Kontakt kann ich gerne herstellen.

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